Temporäre Bodennutzung

Böden müssen heute ganz unterschiedlichen Nutzungsansprüchen genügen. Deutlich zugenommen haben die temporären, das heisst die zeitweisen Bodenbeanspruchungen. Betroffen ist vor allem die freie Bodenfläche zwischen Wald und Siedlung. Beispiele dafür sind verschiedenste Festveranstaltungen, Sportanlässe oder die temporäre Inanspruchnahme für Bauten. Regeln sorgen dafür, dass die betroffenen Böden nicht irreparabel geschädigt werden.
 
Böden dienen Vielen
Böden dienen als Baugrund für unsere Siedlungen und deren Infrastruktur wie Verkehrsflächen oder Anlagen zur Ver- und Entsorgung. Böden dienen aber auch der land- und forstwirtschaftlichen Produktion, sie filtern und speichern Wasser, sie reichern das Grundwasser an und sie sind Lebenraum und eigentliches Genarchiv unzähliger Mikroorganismen. Einige dieser Nutzungen kollidieren miteinander oder schliessen sich gar gegenseitig aus.
 
Deutlich zugenommen haben die temporären Beanspruchungen der freien Bodenfläche zwischen Wald und Siedlung. Festzelte, Parkplätze, Turnfeste, Motocross, Traktorpulling oder Gasleitungsbau sind einige der Stichworte dazu.

 


Traktorpulling – eine neue Art der temporären Bodennutzungen


Verlegung von Kommunikationsleitungen – schweres Gerät beansprucht den Boden


Dabei werden Böden temporär beansprucht. Werden nicht bestimmte Regeln im Umgang mit den betroffenen Böden beachtet, drohen bleibende Schäden. Hauptschäden sind flächenhafte Verdichtungen sowie Abfälle. Dies muss vermieden werden. Dazu gibt es inzwischen verschiedene Richtlinien als Hilfsmittel.
 
Veranstaltungen auf gutem Boden
Speziell Freizeitveranstaltungen auf der «Grünen Wiese» haben zugenommen. Diese brauchen tragfähige Böden für Festzelte, für Parkplätze oder für Wettkämpfe. Der Boden wird zu einer wichtigen natürlichen Ressource für solche Anlässe.
 
Gelingt es bei solchen Anlässen, den Boden vor bleibenden Schäden zu schützen, ist allen gedient. Besucherinnen und Besucher des Anlasses haben ein unbeschwertes Erlebnis, der Veranstalter muss keine aufwändige Wiederinstandstellung bezahlen und der Grundeigentümer stellt seinen Boden gerne wieder ein nächstes Mal zur Verfügung.

 


Kein Containerhafen, sondern geschützter Landwirtschaftsboden beim Festival «Neue Musik» in Rümlingen 2005


Werden die Grundregeln im Umgang mit Böden eingehalten, so können solche Veranstaltungen einigermassen bodengerecht durchgeführt werden. Ein interkantonales Merkblatt bietet Unterstützung für Veranstalter, Grundeigentümer und Bewilligungsbehörden.
 
Deponien sind punktuell bodenrelevant
Deponien sind eine spezielle Form der Bodennutzung. Der ursprüngliche Boden wird abgeschält und erst nach Abschluss der Deponierung wird der Boden wieder neu aufgebaut.
 
Deponien sollen sich in das Landschaftsbild einpassen und sie sollen auf ihrer Oberfläche Folgenutzungen zulassen. Diese können dem Naturschutz oder der Land- und Forstwirtschaft dienen. Gut rekultivierte Böden sind eine Voraussetzung dafür. Nachdem sich die Qualität von Rekultivierungen verschiedentlich als nicht befriedigend herausgestellt hat, wird heute vermehrt Gewicht auf einen guten Bodenaufbau über Deponien gelegt. Auflagen im Rahmen von Umweltverträglichkeitsprüfungen und Betriebsbewilligungen verpflichten die Betreiber von Deponien zur sorgfältigen Rekultivierung.



Freizeitveranstaltungen auf der «Grünen Wiese» – Merkblatt [Download PDF 2.4MB]


Schlechte Rekultivierung: Boden wild geschüttet


Natürlicher Bodenaufbau mit Oberboden, Unterboden und Ausgangsgestein


Mehr als temporäre Beanspruchung
Die temporäre Beanspruchung von Böden ist in einigen Fällen mit massiven baulichen Eingriffen verbunden. So sind in der Region in den letzten Jahren verschiedene Hochdruck-Gasleitungen und Telekommunikationsleitungen in Böden verlegt worden. Dank umfangreicher Massnahmen der Bauherrschaften wurden die Böden gut geschützt. Die temporäre Beanspruchung hat keine grösseren bleibenden Schäden hinterlassen.
 
In Zukunft ist damit zu rechnen, dass sich weitere Nutzungen ergeben, welche vor allem die Landwirtschaftsböden mehr als nur temporär beanspruchen. Erwähnt seien zum Beispiel Bodennutzungen als grossflächiger unterirdischer Gasspeicher oder als Golfplatz. Beide sind im gebauten Zustand nicht auf den ersten Blick als bodenbeanspruchend erkennbar. Sie bedingen aber grossflächige Bodenverschiebungen und -veränderungen. Damit werden Böden und Bodenflächen auf eine Weise beansprucht, wie dies bislang nur innerhalb der Bauzone üblich war.

 


Grosse Bodenveränderungen beim Golfplatzbau (Beispiel aus einem Nachbarkanton)


Die Raumplanung wird künftig noch stärker gefordert sein. Es gilt abzuwägen, wie weit solche Nutzungen und die damit verbundenen Eingriffe in die Böden dem haushälterischen Umgang mit Boden und Bodenfläche entsprechen.