Siedlungsentwässerung

Der Gewässerschutz im Siedlungsgebiet erfordert Massnahmen und Bauten, die mittel- und langfristig geplant und finanziert werden müssen. Zu diesem Zweck erstellen Städte, Gemeinden und Kläranlagenbetreiber generelle Entwässerungspläne (GEP). Für das gesamte Einzugsgebiet der Birs besteht zudem seit April 2006 ein regionaler Entwässerungsplan (REP), der 2009 aktualisiert wurde.

 

Generelle Entwässerungsplanung und deren Umsetzung
Die Generellen Entwässerungspläne (GEP) aller 86 Gemeinden des Kantons Basel-Landschaft sowie der 3 Gemeinden des Kantons Basel-Stadt sind zurzeit in Arbeit. Bis heute liegen für 78 Gemeinden sowie für sieben Einzugsgebiete regionaler Kläranlagen fertige Entwässerungskonzepte vor. Damit werden die Grundlagen für die mittel- und langfristige Planung von Massnahmen der Siedlungsentwässerung sowie des Gewässerschutzes geschaffen.

Anhand von Zustandsberichten werden im Rahmen der GEP-Bearbeitung jeweils Defizite ermittelt und der Handlungsbedarf dargestellt. Die Massnahmen werden im GEP mit Kosten und Terminen festgelegt. Zusammenfassend ergeben sich folgende prioritär zu behandelnden Problemkreise:

 

Mischwasserentlastungen
Kläranlagen und Kanalisationen können nicht für den maximalen Abwasseranfall bei Regenwetter ausgelegt werden. Während starker Niederschläge muss das in die Mischkanalisationen eingeleitete und mit Schmutzwasser vermischte Regenwasser zu grossen Teilen direkt in die Gewässer eingeleitet werden. Viele dieser Entlastungsbauwerke erfüllen die Anforderungen des Gewässerschutzes nicht, weil zu viel verschmutztes Abwasser in die Gewässer gelangt. Durch den Bau dezentraler Versickerungsanlagen, getrennter Ableitung von Schmutz- und Regenwasser (Trennsysteme) und Speicherbecken muss dieses Problem mittel- bis langfristig gelöst werden. Im GEP wird die kostengünstigste Variante ermittelt. In Basel ist 2007 ein zusätzliches Mischwasserbecken mit einem Volumen von 10'000 m3 erstellt worden, im Kanton Basel-Landschaft werden bis 2020 weitere 18 Becken (bestehend 21) mit einem Volumen von insgesamt ca. 20'000m3 (bestehend 38'000 m3) erforderlich.

 

Fremdwasser
Einzelne Kläranlagen des Oberbaselbietes werden noch immer mit zu grossen Mengen von stetig fliessendem unverschmutztem Abwasser (Fremdwasser) belastet. Neben höheren Kosten für die Abwasserreinigung hat dies auch Probleme für den Betrieb der ARA zur Folge. Im übrigen Kantonsgebiet sowie in Basel-Stadt waren die Anstrengungen der letzten Jahre zur Fremdwassersanierung erfolgreich.

 

Baulicher Zustand der Kanalisationen
Während sich die öffentlichen Kanalisationsnetze in den Gemeinden und der Stadt Basel weitgehend in einem befriedigenden oder guten Zustand befinden, muss der Zustand der privaten Hausanschlüsse kritischer beurteilt werden. Hier zeichnet sich für die nächsten Jahre ein hoher Sanierungsbedarf ab.

 


Typische Schadensbilder bei Hausanschlüssen


Regionale Entwässerungsplanung (REP)
Gemeinsam mit den Kantonen Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Bern, Jura und Solothurn wurde ein regionaler Entwässerungsplan (REP) für das gesamte Einzugsgebiet der Birs erarbeitet. Als Zielsetzung für die Birs und ihre Zuflüsse werden ein möglichst natürlicher Zustand und eine natürliche Dynamik unter angemessener Berücksichtigung der Schutz- und Nutzungsbedürfnisse des Menschen angestrebt.



Umfeld, Ziele und Bedingungen für die Zielerreichung des REP Birs

Die Zustandsanalyse des REP Birs zeigt, dass:

 
der Gewässerschutz im Einzugsgebiet der Birs überwiegend einen guten Stand erreicht hat.
die Wasserqualität weitgehend als gut bezeichnet werden kann, auch wenn lokal teilweise noch deutliche Verbesserungspotentiale bestehen.
der Gewässerlebensraum hingegen in einem unbefriedigenden Zustand ist.
 

Seit April 2006 liegt der Massnahmenkatalog des REP Birs vor. Er beruht primär auf der Machbarkeit und dem Verhältnis von Kosten und Wirkung und orientiert sich eng am 2003 erschienen «Leitbild Fliessgewässer Schweiz – Für eine nachhaltige Gewässerpolitik» des BAFU. Die wichtigsten Massnahmen haben zum Ziel, grössere, zusammenhängende, naturnahe Gewässer- und Auenlandschaften zu schaffen und damit ursprünglich heimische Tierarten wieder anzusiedeln sowie die Siedlungsentwässerung und Abwasserbehandlung weitgehend zu verbessern. Mit der Umsetzung können die ökologischen Ziele insgesamt bis 2050 erreicht werden.

Konkret werden an der Birs und ihren Hauptzuflüssen 380 künstliche Hindernisse entfernt oder entschärft, 140 km Flussufer aufgewertet sowie 80 ha Uferfläche für Auen und als Überschwemmungsfläche wieder freigegeben. Dabei werden der Hochwasserschutz verbessert und die Naherholung mit Bademöglichkeiten attraktiver. Diese raumrelevanten Massnahmen sind in den kantonalen Richtplänen bereits weitgehend aufgenommen. In Zwingen, Münchenstein, Birsfelden und Basel können schon jetzt erfolgreich revitalisierte Flussabschnitte der Birs besichtigt werden. 

Im Jahr 2006 haben die fünf Kantone erstmals gemeinsam auch einige neue Parameter der Wasserqualität untersucht. Wie die nun vorliegenden Ergebnisse zeigen, zählt die Birs, gemessen an den Schwermetallgehalten, landesweit zu dem am stärksten belasteten Fliessgewässern - die die Qualitätsziele werden teilweise überschritten. Es wurde aber auch bestätigt, dass der Nährstoffeintrag dank einer effizienteren Abwasserbehandlung generell abnimmt, auch wenn gebietsweise noch erhöhte Belastungen mit Phosphor und gelöstem organischem Kohlenstoff auftreten. Trotz klar erkennbaren Fortschritten braucht es also weitere Anstrengungen. Dies gilt auch für die Belastung mit organischen Schadstoffen, denn Anfang 2008 wurden bei Fischen Belastungen mit polychlorierten Biphenylen (PCB) festgestellt. Die Klärung der Ursachen wird eng zwischen den Kantonen abgestimmt.

Die Daueraufgaben der Siedlungsentwässerung und der Abwasserreinigung müssen also gewissenhaft weiter geführt werden. Hier wurden bisher und werden auch in Zukunft die meisten finanziellen Mittel investiert.Die Regierungskonferenz der Nordwestschweizer Kantone beabsichtigt, den Regionalen Entwässerungsplan (REP) Birs in ein Integrales Einzugsgebietsmanagement (IEM) zu überführen. Dazu hat sie neu die interkantonale IEM-Birskommission eingesetzt. Die Kommission sorgt ab dem Jahr 2010 dafür, dass die im REP Birs beschriebenen Massnahmen koordiniert umgesetzt werden. Auch aktuelle und neue Fragen des Gewässerschutzes, des Hochwasserschutzes und der Wassernutzung im Birseinzugsgebiet werden hier integral weiter behandelt.        
 



«Leitbild Fliessgewässer Schweiz – Für eine nachhaltige Gewässerpolitik»
(PDF-Datei, 1 MB)

Links:
Weitere Informationen zum REP Birs unter:
» www.labirse.ch