Schadstoffe in Siedlungsböden

Schwermetalle kommen natürlicherweise in Spuren in allen Böden vor. Zusätzlich hinterlässt der Mensch mehr oder weniger deutliche Spuren. Dies betrifft vor allem die Schwermetalle Blei, Cadminum, Kupfer und Zink, aber auch verschiedene organische Schadstoffe. Die Böden in der Agglomeration Basel, im Gebiet Pratteln und im Gebiet Dornach zeigen diese Spuren deutlich. Ebenso finden sich in den Siedlungsböden unerwünschte Spuren von organischen Schadstoffen. Die Ergebnisse sind unter anderem bei der Umlagerung von Boden bei Bauvorhaben zu beachten.

 

Richtwerte als Vorsorgewerte
Wir riechen und sehen sie nicht – die Schwermetalle im Boden. In Spuren sind sie natürlicherweise immer vorhanden. Der Mensch bringt sie aber auf unterschiedlichste Weise – zum Beispiel über die Luftverschmutzung, als unerwünschte Begleitstoffe von Düngern oder als Pneuabrieb von Autos – zusätzlich in die Umwelt. Letztlich gelangen sie in die Böden und reichern sich dort über Jahrhunderte an, denn sie sind nicht abbaubar. Organische Schadstoffe sind demgegenüber zwar grundsätzlich im Boden abbaubar, dies jedoch teilweise äusserst langsam.
 
Es ist deshalb wichtig, dass Schwermetalle und organische Schadstoffe erst gar nicht in Böden gelangen. Die gesetzlichen Richtwerte sollen im Sinne der Vorsorge sicherstellen, dass die Böden langfristig gesund bleiben. Bei bereits belasteten Böden geben Prüf- und Sanierungswerte Massnahmen zur Gefahrenabwehr vor. Geregelt ist dies in der Eidgenössischen Verordnung über Belastungen des Bodens (VBBo vom 1.07.1998)



Die gesetzlichen Richt-, Prüf- und Sanierungswerte lösen unterschiedliche Massnahmen aus.

Schwermetalle in Siedlungsböden
Die langjährigen Messergebnisse zu Schadstoffen in den Böden bestätigen es: In den Siedlungsböden der Agglomeration Basel werden die Richtwerte nach VBBo oft erreicht oder überschritten. Dabei fallen vor allem die Schwermetalle Blei, Cadmium, Kupfer und Zink auf. Dies gilt auch für die beiden bekannten Bodenbelastungsgebiete in der Region: das Gebiet Pratteln und das Gebiet Dornach mit den umliegenden Baselbieter Gemeinden. Für die sich aus dieser Belastungssituation ergebenden Massnahmen sei auf das entsprechende Kapitel verwiesen.
 
Die Spuren des menschlichen Einflusses finden sich allgemein in Siedlungsböden, nicht nur in speziellen Belastungsgebieten. So zeigte die Untersuchung von über 20 Gärten in der Region, dass jeder dritte Gartenboden mindestens einen Richtwert für Schwermetalle überschreitet. Davon waren Böden im oberen Baselbiet ebenso betroffen wie in der Stadt Basel. Grund dafür ist, nebst dem Eintrag von Schadstoffen durch die allgemeine Luftverschmutzung in Siedlungsgebieten, die jahrzehntelange Bewirtschaftung. Dabei wurde in der Vergangenheit zum Beispiel oft übermässig Asche aus Ofen oder Cheminée als vermeintlich guter Dünger ausgebracht.
Gleiches gilt für die Böden der Familiengärten («Schrebergärten») in der Region. Auch sie zeigen teilweise deutliche Spuren der jahrzehntelangen Nutzung.



Von über 1'400 Standorten in der Region ist die Belastung des Bodens bekannt.

PAK als wichtige Schadstoffgruppe:
Von früheren Untersuchungen war bekannt, dass Böden an Hochleistungsstrassen stark mit Polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) belastet sind. Die Untersuchung von rund 50 Böden in der Region zeigte, dass sich zusätzlich in vielen Siedlungsböden übermässige Spuren von PAKs finden. Die Hälfte der untersuchten Böden im Siedlungsgebiet überschritt den Richtwert für gesunde Böden nach VBBo. Viele Siedlungsböden sind damit im ökologischen Sinne nicht mehr gesund. In Einzelfällen sind sogar noch höhere Gehalte festgestellt worden, das heisst der Prüfwert ist leicht überschritten.
 
PAK-Gehalte im Boden nach Standortgruppen (mg/kg):

 
Standortkategorie Median Mittelwert Minimum Maximum >RW >PW 
Acker 0.22 0.28 0.0 1.6 13  
Wiese 0.26 0.51 0.0 3.0  
Wald 0.24 0.36 0.0 1.3 16  
Siedlung 1.70 5.11 0.0 24.0 
Siedlung mit Asche 12.00 12.00 4.0 20.0 
alle Standorte 0.28 1.64 0.0 24.0 48 
 

n = Anzahl Standorte, RW = Richtwert VBBo, PW = Prüfwert VBBo
Jeder zweite untersuchte Siedlungsboden überschritt den Richtwert für Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK).

 

 

Chemisch gesehen sind PAKs organische Verbindungen, bei denen zwei oder mehr Benzolringe in unterschiedlicher Stellung angeordnet sind. Es sind gegen 200 verschiedene Einzelsubstanzen bekannt, so genannte Kongenere. Diese weisen unterschiedliche Eigenschaften und unterschiedliche Wirkungen in Ökosystemen auf.
 
PAKs entstehen unter anderem als unerwünschte Nebenprodukte bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe wie Heizöl, Diesel und Benzin. In geringen Mengen können sie auch in der Natur entstehen. Es erstaunt deshalb nicht, dass PAKs heute überall in den Böden der Siedlungsgebiete nachweisbar sind. Wir wagen die Aussage, dass die PAKs das Schwermetall Blei als hauptsächlichen Bodenschadstoff im Siedlungsgebiet abgelöst haben.
 
Kaum Spuren von Dioxinen und PCBs
Dioxine und Furane sowie Polychlorierte Biphenyle (PCB) kommen in der Regel nur in sehr geringen Spuren und den Böden der Region vor. Dies gilt auch für die sonst deutlich belasteten Siedlungsböden. Diese beiden organischen Schadstoffe sind somit kein bodenschützerisches Problem. Sie können aber an Sonderstandorten (zum Beispiel so genannten "Altlasten") punktuell auftreten und dort ein relevantes Umweltproblem sein.
 
Links:

Familiengärten in der Region Basel: Böden zeigen Spuren der Nutzung:
» www.baselland.ch/Newsdetail-Bau-Umwelt.309170+M5c394c07bba.0.html

Eidgenössische Verordnung über Belastungen des Bodens (VBBo):
» www.admin.ch/ch/d/sr/c814_12.html
 
Nationale Bodenüberwachung NABO:
» www.bafu.admin.ch/boden/index.html