Lebensraumqualität

Der Lebensraum Gewässer steht nach wie vor unter grossem Druck. Der Anteil an naturnahen Gewässerstrecken ist gering. Dank den Anstrengungen in den vergangenen fünf Jahren konnten jedoch lokal Verbesserungen erzielt werden.

 

Bedrängter Lebensraum Fliessgewässer
Ein qualitativ hochwertiger Lebensraum zeichnet sich durch naturnahe Gewässerstrukturen aus. Diese sind Voraussetzung für eine möglichst gute Selbstreinigung sowie für den Fortbestand einer artenreichen Fauna und Flora. Die Bewertung der Lebensraumqualität, auch Ökomorphologie genannt, erfolgt auf der Basis verschiedener Strukturmerkmale. Sie gibt Auskunft über die Eignung eines Gewässers als Lebensraum für Wasserorganismen. Zum Zeitpunkt der Berichterstattung lagen die Daten für rund 370 km Fliessgewässer vor.
 
Das Ergebnis der ökomorphologischen Kartierung ist ernüchternd. Über 40 km der untersuchten Strecken sind eingedolt. Lediglich ein kleiner Teil der Fliessgewässer befindet sich noch in naturnahem Zustand. Besonders gross ist der Anteil an naturfernen Strukturen im Stadtkanton; er beläuft sich auf über 55% der Gesamtfliessstrecke. Im Baselbiet beträgt er knapp 27%. Die grössten Defizite sind fehlende Überschwemmungsflächen, starke Sohlen- und Uferverbauungen sowie Unmengen künstlicher Wanderhindernisse. Über 2600 Abstürze, Durchlässe, Wehre etc. erschweren oder verunmöglichen die Ausbreitung der Gewässerorganismen, was sich langfristig auf deren Fortbestand auswirkt.
 
Birs Vital – Im Rahmen des Möglichen das Optimum
Die Folgen, die der Nutzungsdruck des Menschen bei den Gewässern hinterlässt, konnten in den letzten Jahren durch verschiedene Revitalisierungsmassnahmen etwas gelindert werden. Insgesamt entsprechen sie jedoch nur «einem Tropfen auf einen heissen Stein». Dennoch können sie lokal enorme Auswirkungen haben. Dies zeigt sich besonders deutlich beim Projekt Birs Vital, wo im Rahmen der Revitalisierung bei beschränktem Raumangebot die Bedürfnisse der Gewässerlebewesen, des Hochwasserschutzes, der Abwasserbehandlung und der Erholungssuchenden optimal berücksichtigt wurden. Durch das Entfernen der Abstürze im Mündungsbereich steigen heute wieder viele Fischarten vom Rhein in die Birs auf. Das Projekt zeigte aber auch die Grenzen von Revitalisierungen im Siedlungsraum und unterstrich die Notwendigkeit, verbleibende naturnahe Gewässerstrecken zu bewahren und ökologische Aufwertungen dort durchzuführen, wo noch genügend Raum vorhanden ist. Ein entscheidender Schritt hierzu wäre, den dafür notwendigen Raum mit planerischen Mitteln zu sichern.



Lebensraumqualität der Fliessgewässer in den Kantonen Basel-Stadt und Basel-Landschaft (Ökomorphologische Bewertung)


Ökomorphologische Einstufung der basel-städtischen (38 km) und basel-landschaftlichen (333 km) Fliessgewässer (Stand 2006)


Birs vor der Revitalisierung


Birs nach der Revitalisierung


Vorausschauende Planung – kontinuierliche Umsetzung
Um die knappen finanziellen Mittel möglichst effizient einzusetzen, bedarf es einer vorausschauenden und überblickenden Planung. In beiden Kantonen wurden dafür entsprechende Instrumente geschaffen. Im Kanton Basel-Stadt gilt das Entwicklungskonzept Fliessgewässer (2002) als die wichtigste Grundlage zur ökologischen Aufwertung der Gewässer. Im Rahmen einer umfassenden Defizitanalyse wird darin anhand von rund 90 Massnahmen der Handlungsbedarf der nächsten 20 Jahre beschrieben. Analog dazu dient das Wasserbaukonzept BL als langfristiges Koordinations- und Führungsinstrument. Im Konzept sind rund 120 Massnahmen aufgeführt, welche über einen Zeitraum von 20–30 Jahren zu einem verbesserten Hochwasserschutz und gleichzeitig zu naturnaheren Gewässern führen sollen.
 
In den vergangenen fünf Jahren wurden in den beiden Kantonen folgende Projekte realisiert oder stehen kurz vor der Umsetzung:

 
Kleinbasler Rheinufer (Naturnahe Ufersanierung mit Kiesschüttung und Buhnen, Rheinhalde bis Solitude)
Kleinbasler Rheinufer (Flachuferschüttung beim Schaffhauserrheinweg, Fortsetzung bis Dreirosenbrücke in Planung)
Grossbasler Rheinufer (Blockwurf am Böschungsfuss beim St. Johannsweg)
Wiese (Vorprojekt, Revitalisierung von Freiburgerbrücke bis Rhein)
Alter Teich (Vorprojekt, Ausdolung durch Umlegung Bachlauf)
Aubach (Revitalisierung unterhalb Bachtelenweg)
Riehenteich (Revitalisierung zwischen Erlensträsschen und Grendelgasse)
Birs in Münchenstein und Arlesheim (Revitalisierung oberhalb Heiligholzbrücke sowie ARA Birs 1 bis Zigeunersteg)
Diebach in Laufen (Ausdolung im Siedlungsgebiet)
Feisternaubach in Dittingen (Bachverlegung Oberdorf)
Chlusbach in Aesch (Renaturierung Klushof bis Dole)
Ergolz in Sissach (Wiederherstellung der Fischgängigkeit)
Weiherbächli in Ormalingen (Ausdolung)
Hemmikerbach in Ormalingen (Hochwasserschutz und Renaturierung)
Ergolz in Füllinsdorf (Renaturierung beim TCS)
Vordere Frenke in Waldenburg (Sohlenrenaturierung)
Eibach in Tecknau (Bachverlegung und Renaturierung)
Zettelbach in Giebenach (Ausdolung und Renaturierung)
 

Links:
Amt für Umwelt und Energie BS, Thema Lebensraum:
» www.aue.bs.ch/lr-gewaesser.htm
» www.aue.bs.ch/aktuelles.htm
 
Amt für Umweltschutz und Energie BL, Gewässerzustand:
» www.baselland.ch/main_gewaesser-htm.287477.0.html