Fische als Indikatoren

Die Fisch- und Krebsfauna in unseren Fliessgewässern ist lückenhaft. Mit strukturellen Verbesserungen, gezielten Fördermassnahmen sowie einer angemessenen Bewirtschaftung sollen die Bedingungen für die einheimischen Fisch- und Krebsarten verbessert werden.

 

Lebensgemeinschaft der Fische: Handlungsbedarf erkannt
Zur Beschreibung des ökologischen Zustands eines Gewässers müssen nebst Gestaltungsmerkmalen und chemischen Hilfsgrössen auch biologische Indikatoren herangezogen werden. Auf Grund ihrer ausgeprägten Ansprüche an den Lebensraum und des sich über mehrere Jahre erstreckenden Lebenszyklus sind Fische gute Indikatoren zur Ermittlung zivilisatorischer Einflüsse.
 
Im Rhein sind insgesamt 46 Fischarten historisch belegt, wovon 39 als heimisch gelten. In einer Untersuchung der Jahre 1999/2000 konnten im Basler Rheinabschnitt 31 Fischarten nachgewiesen werden. Über die Fischfauna der wichtigeren Seitengewässer des Rheins lagen bis 2000 nur wenige Angaben vor. Seither wurden in beiden Kantonen diverse Erhebungen durchgeführt, die eine einigermassen flächendeckende Beurteilung erlauben.



Ökologische Zustandsbeurteilung anhand der Fischfauna

Im Mündungsbereich grösserer Gewässer wie Birs, Ergolz und Wiese sind einige Arten anzutreffen, welche auch den Rhein bewohnen. In der Wiese und ihren Nebengewässern konnte an den meisten Stellen nur eine geringe Fischdichte nachgewiesen werden, was bei Tieflandgewässern eher ungewöhnlich und bedenklich ist. In der Birs und in der Ergolz reduziert sich die Artenzahl nach dem ersten grösseren Wanderhindernis flussaufwärts deutlich. In den kleineren und meist etwas steileren Gewässern des Baselbiets dominiert die Bachforelle. Sie wird oft von einer oder mehreren, für die Forellenregion typischen Fischarten begleitet. Die Lebensgemeinschaft der Fischfauna ist an vielen Stellen unvollständig, sei es, weil einige typische Indikatorarten fehlen oder weil der Aufbau bestimmter Fischpopulationen nicht der natürlicherweise zu erwartenden, altersmässigen Zusammensetzung entspricht.

 


In der Birs aufwandernde Fische treffen beim Wehr «Neuewelt», trotz vorhandener Fischtreppe, auf ein erstes grösseres Wanderhindernis.


Fischereiliche Bewirtschaftung: Weiche gestellt
Um die natürliche Artenvielfalt und den Bestand einheimischer Fische und Krebse zu erhalten, zu verbessern, wiederherzustellen sowie deren nachhaltige Nutzung zu gewährleisten, bedarf es einer langfristigen und vorausschauenden Planung. Im Rahmen eines Pilotprojekts wurde daher unter Einbezug interessierter Kreise ein fischereiliches Bewirtschaftungskonzept für die Birs erstellt. Es sieht im Wesentlichen ein massvolles und gezieltes Vorgehen bei der Durchführung von Besatzmassnahmen vor. Damit sollen die genutzten Aeschen- und Bachforellenbestände gestützt werden, ohne die teilweise gefährdeten Begleitarten wie Strömer oder Groppe zu benachteiligen.
 
Förderung bedrohter Arten: Steter Tropfen …
Der Aufbau und die Etablierung einer sich selbst erhaltenden Lachspopulation benötigen einen längeren Zeitraum als ursprünglich angenommen. Das Vorhaben setzt insbesondere weitere Massnahmen zur Elimination vorhandener Lebensraumdefizite voraus. So sind in verschiedenen Teilbereichen des Rheineinzugsgebietes noch Anstrengungen notwendig, um den Wanderfischen Zugang zu geeigneten Lebensräumen zu gewährleisten.
 
Im Jahre 2005 wurden erstmals mittels «Coded Wire Tag» markierte Lachs-Sömmerlinge in Wiese, Birs und Ergolz ausgesetzt. Anhand dieser Markierung ist es mittels Detektor möglich, Basler Lachse zu identifizieren und deren Wanderungserfolg (Abwanderung und Rückwanderung) zu überprüfen. Für erste Aussagen ist es allerdings noch zu früh.
 
Die Anstrengungen zur Förderung der Nasen und deren Wiederansiedelung in der Region verlaufen erfolgreich: Dank der Revitalisierung des Birsunterlaufs werden seit Frühjahr 2006 wieder viele laichende Nasen beobachtet. Die Wiese bei Kleinhüningen ist als Laichgebiet von nationaler Bedeutung bekannt, weil sich dort jedes Jahr mehrere hundert Exemplare dieser bedrohten Art fortpflanzen.

 


Nasen in der Wiese


In der Birs und dem St. Alban-Teich, einem ehemaligen Gewerbekanal der Stadt Basel, breitet sich der Strömer immer stärker aus. Dieser Kleinfisch ist in der Schweiz als gefährdet eingestuft und im Internationalen Jahr der Biodiversität zum Fisch des Jahres ausgewählt worden.

 


Der Strömer – Fisch des Jahres 2010

Nach einer wochenlangen, fast niederschlagsfreien Zeit im Sommer 2003 trockneten viele Zuflüsse der oberen Ergolz, sowie streckenweise die Ergolz selbst, aus. Viele Fische verendeten, aber viele konnten in aufwändigen Rettungsaktionen in andere Gewässer umgesiedelt werden.
 
Das Ziel einer naturnahen Fischfauna soll einerseits durch Förderung von Kleinfischarten, andererseits durch zurückhaltenden Besatz von Bachforellen erreicht werden. Im Jahre 2004 wurden deshalb in Zusammenarbeit mit den betroffenen Fischpächtern in mehreren Aktionen Kleinfischarten wie Groppen, Schmerlen, Elritzen, Gründlinge, Strömer und Bachneunaugen im Unterbaselbiet abgefischt. Diese mehrere Tausend Tiere wurden zwischen Sissach und Gelterkinden in die Ergolz eingesetzt. Eine Nachuntersuchung 2006 zeigte, dass sich diese Fischarten in der Ergolz erfreulicherweise nicht nur halten, sondern sogar ausbreiten konnten.

 

In der Schweiz existieren drei heimische Flusskrebsarten: Edelkrebs, Dohlenkrebs und Steinkrebs. In den letzten Jahrzehnten haben diese Populationen stark abgenommen. Gründe hierfür sind die Verschlechterung der physikalischen und chemischen Wasserqualität sowie die Einführung konkurrenzierender Arten aus Nordamerika und Südpsteuropa (Signalkrebs, roter Sumpfkrebs, Galizierkrebs). Während sich in vielen Flüssen und Bächen der Region Basel der Signalkrebs stark ausgebreitet hat, sind nur noch drei Dohlenkrebspopulationen übrig geblieben, deren Erhalt besonderer Aufmerksamkeit bedarf. Im Kanton Basel-Stadt ist der Signalkrebs stark vertreten, vor allem in der Birs, im Riehen-Teich und im Aubach besteht die Population aus jeweils mehreren hundert Tieren. Eine ebenfalls starke Population von Galizierkrebsen befindet sich im Wenkenweiher in der Gemeinde Riehen. Zum Schutz der einheimischen Krebsfauna werden in den beiden Kantonen die fremdländischen Krebsarten mittels Reusen gefangen und in den nächsten Jahren die Besatzungsmassnahmen mit Dohlenkrebsen intensiviert. 
 



Zustand der Krebsfauna der Gewässer


Mit Reusen gefangene Signalkrebse

Links:
Amt für Umwelt und Energie BS, Thema Lebensraum:
» www.aue.bs.ch/lr-gewaesser.htm
 
Amt für Umweltschutz und Energie BL, Gewässerzustand:
» www.baselland.ch/main_gewaesser-htm.287477.0.html
 
Veterinär- Jagd- und Fischereiwesen BL, Fischereiwesen:
» www.baselland.ch/main-fisch-htm.273501.0.html