Elektronikschrott

Der Verkauf an elektrischen und elektronischen Geräten weist noch immer grosse Zuwachsraten auf und parallel dazu verringert sich die Lebensdauer vieler Geräte aufgrund der rasch fortschreitenden Technologieentwicklung laufend. Dies führt zu einem grossen Anstieg der Mengen an ausgedienten Geräten, die erfasst und behandelt werden müssen.

 

Steigende Mengen und problematische Stoffe
Beim Elektro- und Elektronikschrott lassen sich die anfallenden Mengen für die einzelnen Kantone nicht separat ermitteln, doch kann aufgrund der gesamtschweizerischen Zahlen eine grobe Abschätzung vorgenommen werden. Bei gesamtschweizerisch rund 112'000 t Elektroschrott für das Jahr 2009 dürften in den beiden Basel 6-7'000 t pro Jahr anfallen. Die separate Erfassung und Behandlung dieser Abfallfraktion ist aus folgenden Gründen wichtig:

 
in den elektrischen und elektronischen Geräten ist eine Vielzahl problematischer Stoffe (Flammschutzmittel, Schwermetalle, ozonschichtabbauende Kühlmittel, etc.) enthalten, die abgetrennt und behandelt werden müssen;
die metallischen Anteile und die in geringen Mengen enthaltenen Edelmetalle lassen sich im Behandlungsprozess zurückgewinnen und wieder verwenden.
 


Elektronikschrott zur weiteren Aufbereitung

Umfassende Rückgabepflicht und gut ausgebautes Rücknahmesystem
Während 2001 die Gratis-Rückgabemöglichkeit noch auf Büroelektronik und Kommunikationsgeräte beschränkt war, haben inzwischen die beteiligten Wirtschaftsverbände zusammen mit den Bundesbehörden die Gratisrücknahme schrittweise ausgebaut. Heute gilt für alle elektrischen und elektronischen Geräte eine generelle Rückgabepflicht, verbunden mit einer entsprechenden Rücknahmepflicht des Handels und einer kontrollierten Entsorgung auf hohem Standard. Durch die Möglichkeit der kostenlosen Rückgabe liess sich die früher oft praktizierte illegale Ablagerung solcher Geräte deutlich senken.

 


Aufbereitung des Elektronikschrotts in moderner Anlage

Finanziert wird das ganze System durch vorgezogene Entsorgungsgebühren, welche beim Kauf neuer Geräte erhoben und auf der Rechnung separat ausgewiesen werden.
 
Das von der Wirtschaft selbst organisierte Rücknahmesystem kann in verschiedener Hinsicht als vorbildlich bezeichnet werden, denn es ist:

 
benutzerfreundlich (alle Verkaufsstellen müssen Altgeräte kostenlos zurücknehmen, sofern sie die gleiche Gerätekategorie in ihrem Sortiment führen)
verursacherfinanziert (keine Belastung der Gemeinden oder Kantone)
ein Schritt in Richtung umfassende Produkteverantwortung, indem die Branche auch nach dem Verkauf in der Verantwortung bleibt und ein direktes Interesse hat, die Geräte möglichst «recyclingtauglich» zu gestalten.
 

Perspektiven
Trotz guter Erfassungsrate und den Recyclingmöglichkeiten bedeutet der steigende Verbrauch an elektrischen und elektronischen Geräten einen enormen Ressourcenverschleiss, der sich unter anderem in steigender Nachfrage (und entsprechend höheren Preisen) für Rohstoffe ausdrückt. Besonders störend ist dabei, dass immer weniger die technische Lebensdauer der Geräte eine Rolle spielt, sondern stattdessen Modetrends und die laufende Erweiterung der Funktionen den Rhythmus der Neuanschaffungen bestimmen. Unter diesem Aspekt ist es umso wichtiger, dass vermehrt Beurteilungen des gesamten Lebenszyklus in die Kaufentscheidungen einfliessen.
 
Als skandalös einzustufen ist, dass teilweise aus Ländern mit hoch stehender Infrastruktur Elektroschrott unkontrolliert verschoben und am Ende in Indien oder China unter katastrophalen Bedingungen «verwertet» wird.
 
Dies untermauert die Bedeutung einer strikten Überwachung des Verkehrs mit problematischen Abfällen, welcher in der Schweiz mit der «Verordnung über den Verkehr mit Abfällen» geregelt ist. Elektroschrott untersteht als «anderer kontrollpflichtiger Abfall» entsprechenden Ausfuhrbeschränkungen und darf auch im Inland nur durch Betriebe mit entsprechender Bewilligung verarbeitet werden.