Einseitige Ernährung macht krank

Die Gesundheit der Waldbäume ist nachweislich von einer guten und ausgeglichenen Versorgung mit Nährstoffen abhängig. Diese an sich bekannte Erkenntnis wird angesichts der komplexen Wirkungszusammenhänge und der fatalen Konsequenz des Ungleichgewichts der Nährstoffverhältnisse für die Bäume besonders bedeutsam. Sie weisen eine stärkere Anfälligkeit für Schädlinge und Krankheiten sowie eine grössere Empfindlichkeit gegenüber Trockenheit auf.

 

Eine besondere, weil gravierende Bedeutung kommt dem Stickstoff zu, der in Form von Nitrat, Ammonium, Ammoniak und Salpetersäure von den Pflanzen direkt. über die Blätter und Nadeln aufgenommen werden kann. Die für Wald kritischen Eintragswerte (15-20 kg/ha/Jahr nach UN/ECE) werden in der Schweiz seit Beginn der 60er Jahre massiv überschritten. Jede Überschreitung dieses Wertes hat eine langfristige und sehr gefährliche, weil irreversible Systemveränderung zu Folge. Die neuesten Untersuchungen zeigen, dass sich die Nährstoffverhältnisse seit 1984 stark gewandelt haben. Der Stickstoffgehalt im Laub und in den Nadeln hat in den letzten Jahren derart zugenommen, dass heute von einer Stickstoffüberversorgung gesprochen werden muss. Bei der Phospor- und Kaliumernährung ist das Gegenteil festzustellen. Die deutliche Zunahme des Mangangehalts weist unmissverständlich auf eine Übersäuerung des Bodens hin.
 
Ein Baum versucht bei einem Überangebot an Stickstoff diesen möglichst in der Laubmasse zu konzentrieren, was im Vergleich zum Wurzelwerk zu einer Überentwicklung der Krone führt. Dieses ungleiche Wachstum von Krone und Wurzeln stürzt den Förster in ein schweres Dilemma. Jede Nutzung führt zu mehr Platz im Kronenraum, der von den verbliebenen Bäumen schneller ausgefüllt wird, als die Wurzeln nachwachsen können. Lässt er die Bäume stehen, ist der Wald in seiner Stabilität gefährdet, weil die Bäume zu schlank und die Konkurrenz im Wurzelraum zu gross ist. Und der goldene Mittelweg mit häufigen, aber schwachen Eingriffen ist für den Waldeigentümer mit (zu) hohen Kosten verbunden.



Die kritische Belastungsgrenze im Wald liegt bei 10-20 kg Stickstoff pro ha und Jahr. Die Flächen mit zu hoher Belastung entsprechen praktisch überall den Waldflächen.

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Links:
Institut für angewandte Pflanzenbiologie (IAP):
» www.iap.ch