Einfluss von Altlasten auf das Grund- und Trinkwasser

In den Gebieten mit den bedeutenden Grundwasservorkommen im Kanton Basel-Landschaft besteht seit langer Zeit auch eine starke wirtschaftliche Nutzung. Dies kann zu Nutzungskonflikten führen, insbesondere da wo Abfälle deponiert wurden. Der bedeutendste Fall ist im Raum Muttenz wo ehemalige Deponien bestehen und die Grundwasserzirkulation sehr komplex ist.

 

Bei der Beurteilung der Grundwasserqualität in Muttenz spielen die drei Deponien Feldreben, Margelacker und Rothausstrasse eine wichtige Rolle. Diese ehemaligen Kiesgruben wurden im Zeitraum 1945 bis 1959 für die Deponierung chemischer Abfälle genutzt. Seither werden chemische Substanzen aus der Deponie ins Grundwasser ausgewaschen. Zu Beginn der Ablagerung gelangten diese Stoffe mit der Grundwasserströmung in den Hardwald. Seit 1958 wird für die Trinkwassergewinnung jedoch Rheinwasser im Hardwald versickert, was zu einem Grundwasserberg und damit zu einer Umkehrung der Grundwasserströmungsverhältnisse führte.

 


Hardwald mit Grundwasseranreicherung und Trinkwasserentnahme


Komplexe Grundwasserzirkulation
Unter natürlichen Bedingungen würde das Grundwasser in Muttenz in nördliche Richtung fliessen, was während der Ablagerung in den Deponien der Fall war. Deshalb wiesen einzelne Grundwasserbrunnen in der Hard zu diesem Zeitpunkt einen Modergeruch auf. Seit 1958 wird im Hardwald durch die Rheinwasserversickerungsanlage ein Grundwasserberg gebildet, von wo das Wasser in alle Richtungen wegfliesst. Der Eintrag von Verunreinigungen wird so verhindert. Neben dem Grundwasserberg wird die regionale Grundwasserzirkulation jedoch auch von den grossen Wasserentnahmen im Gebiet Schweizerhalle bestimmt.

 

Grundwasserqualität
In den Jahren 2008 und 2009 hat das Amt für Umweltschutz und Energie BL umfassende Studien zur Grundwasserqualität im Raum Muttenz durchgeführt. An rund 120 Messstellen wurden geochemische Parameter, Schwermetalle sowie Spurenstoffe analysiert. Dadurch konnte erstmal ein gesamthaftes Bild der Schadstoffbelastung gezeichnet werden. Fazit aus den Untersuchungen ist, dass die Deponien früher - vor der Rheinwasserinfiltration - zu einer Belastung des Grundwasserleiters geführt haben. Die heute festgestellten Belastungen des Grundwassers im Hardwald stammen aus der Remobilisierung der damals absorbierten Stoffe. Ein aktueller Eintrag aus den Deponien zu den Trinkwasserbrunnen findet aufgrund der Strömungsverhältnisse im Grundwasser nicht statt.

Die Belastung mit Tetrachlorbutadien im Hardwald, welche heute die Aufbereitung des Trinkwassers mit Aktivkohle notwendig macht, stammt ursprünglich aus dem Rhein. Der Rhein war in den 70er Jahren mit Tetrachlorbutadien belastet. Durch die künstliche Grundwasseranreicherung mit Rheinwasser wurde die Substanz in den Untergrund eingetragen, von wo sie heute langsam remobilisiert wird.
Zusätzlich zu den Grundwasseranalysen wurde ein numerisches 3D-Grundwassermodell aufgebaut mit welchem verschiedene historische, wie aktuelle Grundwasserströmungsverhältnisse berechnet werden können. Die Resultate aus dem Grundwassermodell sind in Übereinstimmung mit den Analysenresultaten.