Die Lebensgemeinschaft der Gewässersohle

Die Lebensgemeinschaft der in der Gewässersohle lebenden Kleintiere ist die wichtigste Nahrungsgrundlage für Fische und ein bewährter Zeiger für Gewässerbelastungen. In den letzten Jahren hat sich vielerorts die Zusammensetzung dieser Organismen positiv entwickelt.

 

Spiegel des Gewässers
Die Lebensgemeinschaft der auf der Gewässersohle lebenden Kleintiere (Benthosfauna) reagiert sehr empfindlich auf Störungen ihrer Umwelt. Stoffliche, hydraulische und strukturelle Belastungen beeinflussen die Zusammensetzung der verschiedenen Tiergruppen wie Würmer, Krebstiere, Muscheln, Insektenlarven etc. Aus diesem Grund eignen sich diese Organismen als Bioindikatoren bei der ökologischen Qualitätsüberwachung der Gewässer. Im Vergleich zu chemischen Kenngrössen hat die Beurteilung anhand von Bioindikatoren den Vorteil, dass sie nicht eine Momentaufnahme liefern sondern in Abhängigkeit ihres Lebenszyklus die Qualität ihrer Umwelt über einen längeren Zeitraum dokumentieren. Bei der Analyse der Benthosfauna geht man von der Annahme aus, dass in einem unbelasteten und naturnahen Gewässer sensibel reagierende Arten gegenüber toleranten dominieren. Oder anders gesagt: mit zunehmender zivilisatorischer Belastung nimmt die Anzahl der Nichtinsekten gegenüber Insekten wie Köcherfliegen- und Steinfliegenarten zu.

 


Schlammröhrenwürmer sind tolerant gegenüber organischer Belastung (Tubifex spec.).
(Blider: Daniel Küry)


Steinfliegenlarve gehört zu den Indikatoren einer guten Wasserqualität (Perla marginata)


Positive Entwicklung
Die Benthosuntersuchungen der beiden Kantone reichen zum Teil bis Mitte der 70er Jahre zurück. In zahlreichen Gewässern kann somit neben dem aktuellen Zustand auch die langfristige Entwicklung dokumentiert werden. Auf der Basis langer Datenreihen zeigt sich beispielsweise an der Ergolz, dass die kontinuierliche Verbesserung der chemischen Wasserqualität in den letzten Jahrzehnten die Kleintierfauna positiv beeinflusst hat. Vielerorts ist eine Zunahme der Artenvielfalt zu erkennen, wobei auch immer mehr seltene oder gefährdete Insektenarten von den verbesserten Umweltbedingungen profitieren. In dichter besiedelten Einzugsgebieten hingegen, wie z.B. im Leimental, wirken sich Schadstoffeinleitungen aus der Siedlungsentwässerung oder aus überlasteten Kläranlagen in Verbindung mit monotonen Gewässerstrukturen negativ auf die Zusammensetzung dieser Lebensgemeinschaften aus. Die seit Mitte der 90er Jahre auftretende, massenhafte Vermehrung neu zugezogener Arten im Rhein hat zu einem bedrohlichen Rückgang der heimischen Rheinfauna geführt. Glücklicherweise blieben bisher die Seitengewässer Wiese, Birs, Birsig und Ergolz frei von «fremdländischen» Arten.



Beurteilung des Gewässerzustands anhand der Kleintierfauna


Die Steinfliege Isoperla grammatica galt bis 2001 im Kanton BS als «ausgestorben»
(Bild: Daniel Küry)


Intakte Regenerationsfähigkeit
In Einzugsgebieten von Wiese oder Birs besitzen naturnahe Abschnitte ein hohes Reservoir an Arten. Von da aus können z.B. nach Hochwasserereignissen oder Schadstoffbelastungen andere Abschnitte wiederbesiedelt werden. Dies mag wohl ein Grund dafür sein, warum der unterste Birsabschnitt bereits vor der Revitalisierung trotz mangelhafter Wasserqualität und monotoner Strukturen eine gute Artenzusammensetzung aufwies. Die für das Jahr 2010 geplante Erfolgskontrolle wird aufzeigen, wie stark sich Revitalisierung und Verbesserung der Wasserqualität auf die Kleinorganismen ausgewirkt haben.
 
Links:
Amt für Umwelt und Energie BS, Thema Benthosfauna:
» www.aue.bs.ch/lr-gewaesser.htm
 
Amt für Umweltschutz und Energie BL, Gewässerzustand:
» www.baselland.ch/main_gewaesser-htm.287477.0.html