Zukunftsperspektiven
Im Kanton Basel-Stadt realisiert die Novartis derzeit ihr «Campus»-Projekt. Die Konsequenzen sind die vollständige Auslagerung der Produktion nach Schweizerhalle und ins Ausland. Mittelfristig wird auf dem Areal St. Johann kein industriell verunreinigtes Abwasser mehr anfallen. Als Folge dieser Entwicklung hat die Novartis ein neues Entwässerungskonzept entworfen, das von den Behörden bereits gutgeheissen wurde. Zu den wesentlichen Neuerungen gehören die Vereinheitlichung des WAR-Netzes und bei den Laborneubauten die Installation eines separaten Laborabwassernetz es mit Probenahmemöglichkeiten. Demgegenüber baut die Firma Roche die pharmazeutische Produktion mit gentechnisch veränderten Organismen kräftig aus. Die Folgen für die Abwasserbelastung sind derzeit noch unklar, da diese im Wesentlichen von den hergestellten Produkten abhängen.
Im ganzen Kanton Basel-Landschaft sind mittelständische Pharma- und Chemiebetriebe angesiedelt, welche ein hohes Wachstum und entsprechenden Handlungsbedarf bei der Bewirtschaftung der Abwässer aufweisen. Im Raum Schweizerhalle wird die chemische Produktion tendenziell ausgebaut bei stetiger Veränderung der Firmenlandschaft. Die Werk-Abwasserbewilligung ist ein geeignetes Instrument, um diesen Veränderungen Rechnung zu tragen, welche innerhalb bestehender Werke stattfinden. Moderne Produktionen verursachen im Allgemeinen geringere Abwasserfrachten, können jedoch hochaktive unerwünschte Verbindungen in geringen Konzentrationen enthalten, die es möglichst zu vermeiden gilt.
Ein grösseres Augenmerk werden die kantonalen Fachstellen in Zukunft auf die Problematik der nicht abbaubaren, hormonaktiven Substanzen richten. Mit der Definition von einzelnen Grenzwerten ist dieser neuen Gewässerschutz-Problematik – vor dem Hintergrund der grossen Vielfalt von verschiedenen Stoffen – aus arbeitsökonomischen Gründen nur schwer beizukommen. Abhilfe schafft letztlich nur das Umsetzen des in der Gewässerschutzverordnung festgeschriebenen «Standes der Technik». Hier gilt es die notwendigen Vollzugsinstrumente zu schaffen, damit die Chemische Industrie verhältnismässige Vorbehandlungsmassnahmen treffen kann, vorzugsweise am Ende eines Verarbeitungsprozesses, d.h. dort wo das spezifisch belastete Abwasser unverdünnt und in kleinen Mengen anfällt. Erste Gespräche zwischen Industrie und Behörden über den Umgang mit diesen neuartigen Gewässerverschmutzungen wurden bereits geführt, weitere müssen folgen. |