Bromierte Flammschutzmittel in elektronischen Geräten

Die rasch wachsende Flut elektronischer Geräte bringt es mit sich, dass auch in steigendem Mass Problemstoffe in Umlauf gesetzt werden, die zwar technisch nützlich, für die Umwelt aber heikel sein können.
 
Steigende Mengen und lange Wirkung in der Umwelt
Zu den problematischen Stoffen gehören die bromierten Flammschutzmittel, die in grossem Umfang in Kunststoffteilen (Gehäuse, etc.) von elektronischen Geräten eingesetzt werden, daneben aber auch in Fahrzeugen, Baustoffen, Möbeln und Textilien Verwendung finden. Ihre Freisetzung bei der Produktion und insbesondere bei der späteren Entsorgung kann die Umwelt gefährden, da diese Verbindungen unter natürlichen Bedingungen kaum abgebaut werden und sich im Fettgewebe von Säugern und Vögeln anreichern. So lassen sich bromierte Flammschutzmittel sogar schon in Eisbären in der Arktis nachweisen.

Es gibt Hinweise auf krebserregende und hormonaktive Wirkungen dieser Verbindungen sowie auf eine Störung der Entwicklung des Nervensystems in den frühen Entwicklungsphasen (Embryonalstadium, Neugeborene).

 


Elektronikschrott


Stoffflussanalyse verbessert den Kenntnisstand
Die bisherigen Kenntnisse über den effektiven Umfang des Einsatzes von bromierten Flammschutzmitteln in elektronischen Geräten waren relativ dürftig und es war insbesondere nicht klar, ob bei der heute praktizierten Entsorgung der Geräte problematische Umweltbelastungen entstehen.
 
Das Amt für Umweltschutz und Energie des Kantons Basel-Landschaft hat daher zusammen mit den Bundesbehörden und anderen interessierten Stellen eine fundierte Stoffflussanalyse in einem grossen Entsorgungsbetrieb für Elektronikschrott vorbereitet und begleitet. Dabei wurde anhand der Zusammensetzung der verschiedenen beim Recyclingprozess entstehenden Fraktionen der Gehalt der einzelnen bromierten Verbindungen ermittelt. Dies erlaubt Rückschlüsse auf den Gehalt in den verarbeiteten Gerätekategorien, ohne dass aber Einzelgeräte spezifisch untersucht wurden.
 
Dabei zeigte es sich dass:

 
bromierte Flammschutzmittel in grossen Mengen in Elektronikgeräten eingesetzt werden;
besonders umstrittene Verbindungen zwar sukzessive durch andere Stoffe ersetzt werden (deren Umweltrelevanz auch nicht immer geklärt ist), aufgrund des Gerätealters aber noch relativ lange im Elektroschrott vertreten sind;
bei den Auftrennungs- und Entsorgungsverfahren, welche dem heutigen Stand der Technik entsprechen, eine angemessene Eliminierung der Problemstoffe aus dem Stoffkreislauf sichergestellt ist;
auch die bei der Zerkleinerung der Elektronikgeräte anfallenden Stäube relevante Anteile an bromierten Flammschutzmittel enthalten. Dies zeigt die Wichtigkeit einer guten Abluftreinigung.
 

Was ist noch zu tun?
Die Freisetzung von Flammschutzmitteln bei der Entsorgung wurde in der Schweiz mit der kostenlosen Rücknahme von alten Elektronikgeräten und einem relativ hohen Standard bei den Entsorgungsanlagen schon weitgehend minimiert. In vielen Ländern werden Elektronikgeräte aber immer noch unbehandelt in Deponien abgelagert oder auf unsachgemässe Weise «verwertet». Die strengen Exportregelungen für Elektroschrott (Elektroschrott wird nicht als Sonderabfall betrachtet, sondern als kontrollpflichtiger Abfall, da dessen Entsorgung beschränkte besondere technische und organisatorische Massnahmen erfordert) sind daher für eine zeitgemässe und möglichst umweltschonende Entsorgung von grosser Bedeutung.
 
Wer beim Kauf von Elektrogeräten Wert auf möglichst unproblematische Produkte legt, wählt Geräte, welche mit einem anerkannten Umweltzeichen ausgestattet sind. So gewährleisten z.B. die folgenden Umweltzeichen, dass im Gehäuse des Gerätes keine bromierten Flammschutzmittel enthalten sind: