Bauzonen

Der Kanton Basel-Stadt verfügt über keine nennenswerten Bauzonenreserven. Die Bemühungen der Stadtentwicklung konzentrieren sich auf eine Optimierung des Umgangs mit der hier besonders knappen Ressource Boden. Stichwörter sind Nutzungskonvertierung und -intensivierung sowie Verbesserung von Angebot und Qualität öffentlicher Freiräume.
Im Kanton Basel-Landschaft ist der Verbrauch an Bodenfläche durch Überbauung - wenn auch etwas verlangsamt - weiter gegangen. Allerdings ist der Druck auf die Bauzonenreserven regional unterschiedlich. Am stärksten ist er in den zentraler gelegenen Räumen wie Leimental, Birseck und unteres Ergolztal. Heute sind ca. 17% der Fläche der Region überbaut. Die haushälterische Nutzung des Bodens steht nach wie vor auf dem Prüfstand.
 
Unterschiedliche Ausgangslagen in den beiden Basel
Der Boden ist eine endliche Ressource, was einen sorgfältigen und nachhaltigen Umgang mit der Beanspruchung des Bodens v.a. durch Überbauung nötig macht. Es ist Aufgabe der Raumplanung, durch die Trennung von Siedlungs- und Nichtsiedlungsgebiet, d.h. die Ausscheidung von Bau- und Nichtbauzonen, den Bodenverbrauch in langfristig vertretbaren Grenzen zu halten.
 
Die Reserve an potentiellem Bauland, also die momentan nicht überbauten Bauzonen, ist in beiden Basel unterschiedlich gross: Während im Kanton Basel-Landschaft noch 1'222 Hektar nicht überbaute Bauzonen bestehen (das entspricht einem Anteil von 18.1% aller Bauzonen), sind in Basel-Stadt praktisch keine Bauzonenreserven vorhanden (38 Hektar oder 2.2% aller Bauzonen). Gleichzeitig sind die bebauten Gebiete in Basel-Stadt deutlich stärker genutzt als in der Landschaft: Im Stadtkanton wohnen durchschnittlich 112 Personen auf einem Hektar überbaute Bauzone, in Basel-Landschaft sind es 48 Personen.
 
Dementsprechend unterscheiden sich auch Ziele und Strategien des haushälterischen Umgangs mit dem Boden: Während Basel-Stadt unter anderem auf Flächenrecycling sowie Intensivierung bestehender Nutzung setzen muss, geht es in Basel-Landschaft auch darum, die bestehenden Reserven mit Blick auf kommende Generationen nur massvoll in Anspruch zu nehmen.
 
Die Situation in Basel-Stadt
Der Mangel an nicht überbauten Wohnbauzonen ist in Basel-Stadt der limitierende Faktor der Bevölkerungsentwicklung. Es stehen kaum unbebaute Flächen zur Verfügung, die neu für den Wohnungsbau genutzt werden könnten; ähnlich ist die Situation bei den gewerblichen und industriellen Flächen.

 
Im Spannungsfeld zwischen wachsenden Flächenansprüchen pro Person und den engen räumlichen Verhältnissen im Stadtkanton muss die Stadtentwicklung auf ein optimiertes Management der knappen Ressource Boden setzen. Ein Beispiel ist die Umnutzung des früheren Güterbahnhofs der Deutschen Bahn in das Wohnmischgebiet Erlenmatt mit grossem Freiflächenanteil: Als sich abzeichnete, dass das Areal nicht länger für den Güterumschlag benötigt werden würde, strebte der Kanton gemeinsam mit der Grundeigentümerin eine Konvertierung der Bahnfläche an. Mit der heute bestehenden Zoneneinteilung sind die rechtlichen Voraussetzungen für rund 700 neue, hochwertige Wohnungen, für rund 2'000 gewerbliche Arbeitsplätze und für einen grossen zentralen Park sowie weitere Freiflächen geschaffen worden. Die ersten Wohnungen sind bereits bezogen. Hier gelingt es also, ohne Neuinanspruchnahme von unverbautem Boden neuen Wohnraum sowie Gewerbeflächen und darüber hinaus für Mensch und Natur wertvolle Freiflächen zu schaffen.

 


Die Erlenmatt in Basel (hier: Visualisierung des Endausbaus, ca. 2025) - ein Beispiel für das Recycling der knappen Ressource Boden

Der kantonale Richtplan (vom Bundesrat genehmigt am 5.3.2010) sowie der Zonenplan der Stadt Basel haben dieselben Ziele: Optimierung der Nutzungen innerhalb des bestehenden Siedlungskörpers, Erhalten und Schaffen guter räumlicher Rahmenbedingungen für den laufenden Strukturwandel in der Wirtschaft sowie Verbesserung der Freiflächensituation. Der kantonale Richtplan spricht in seiner Strategie von einer «urbanen Qualitätsmaximierung», in dem der Baubetand optimal ausgenutzt werden soll, Umzonungen innerhalb des Siedlungsgebiets vorgenommen oder Verdichtungen nach innen ermöglicht werden. Der Schutz der für die Erholung der Bewohnerinnen und Bewohner sowie für die Tier- und Pflanzenwelt wertvollen Landschaftsräume an den Rändern des Kantonsgebiets ist dabei selbstverständlich.
 
 
Die Situation in Basel-Landschaft

Fläche der Bauzone leicht gestiegen
Im Zeitraum 2000 bis 2005 ist die Gesamtfläche der Bauzonen in der Region (Kanton Basel-Landschaft) um knapp 0.8% gestiegen. Im gleichen Zeitraum wurden 167 Hektaren Bodenfläche neu überbaut. Der höchste Flächenverbrauch erfolgte im Bezirk Arlesheim (+62 ha), vor den Bezirken Liestal (+46 ha), Sissach (+31 ha), Laufen (+22 ha) und Waldenburg (+6 ha). Dies korreliert weitgehend mit der Bevölkerungsentwicklung in diesem Zeitraum.
 
Der durchschnittliche jährliche Bauzonenverbrauch zwischen 2000 und 2005 betrug knapp 35 ha. Er ist verglichen mit der vorangehenden Untersuchungsperiode (1995 – 2000) mit knapp 55 ha verhältnismässig tief.



Bauzonen in Hektaren 2000 und 2005

Tendenz zu Flächenrecycling bei Industrie und Gewerbe
Der jährliche Verbrauch an Industrie- und Gewerbezonen blieb 2000 – 2005 mit knapp 6.5 ha unter dem langjährigen Durchschnitt von 13 ha. Hauptgrund für die tieferen Verbrauchswerte dürfte das vermehrte Flächenrecycling von frei gewordenen Gewerbe- und Industrieflächen sein. Diese sind durch die Aufgabe von Produktionsbetrieben entstanden. Interessanterweise ist hier der Bezirk Liestal mit rund 15 ha Flächenverbrauch Spitzenreiter vor dem Bezirk Arlesheim mit etwa 12 ha. Die übrigen Bezirke weisen alle einen Flächenverbrauch von 3 ha oder weniger auf.



Industrie- und Gewerbezonen in Hektaren 2000 und 2005

Ausblick in die Zukunft
Der Blick in die Zukunft ist bekanntermassen nicht einfach. Ging man vor fünf Jahren noch davon aus, dass die Reserven von Wohnbauzonen und Zonen für öffentliche Werke und Anlagen für die nächsten 15 Jahren zumindest in einigen Teilräumen knapp sein könnten, so zeigen die aktuellen Zahlen eine geschätzte Reserve von rund 30 Jahren.

Tatsächlich können die heutigen Wohnbauzonenreserven im Stadtumland noch weitere 30'000 – 35'000 Einwohner aufnehmen. Betrachtet man aber die Trends der letzten 5-7 Jahre, wonach vermehrt Wohnlagen in zentraler gelegenen Teilräumen (Leimental, Birseck, Ergolztal) nachgefragt wurden, stellt sich die Frage, ob die Bauzonenreserven am richtigen Ort sind. Bleibt nämlich der Bedarf an Wohnbauzonen im Bezirk Arlesheim gleich hoch wie in den vergangenen 5 Jahren oder nimmt er gar zu, könnten dort die Bauzonenreserven bis in 15 Jahren allmählich knapp werden. In den übrigen Kantonsteilen kann davon ausgegangen werden, dass der Bedarf an Wohnbauzonen aus regionaler Sicht problemlos abgedeckt werden kann.

Auch die Bauzonenreserven in Gewerbe- und Industriezonen sowie die Zonen für öffentliche Werke und Anlagen dürften aus gesamtkantonaler wie auch aus regionaler Sicht genügen. Allerdings zeigt sich, dass der Bedarf für Sport und Erholung deutlich am Steigen ist.
 
Links:
Daten zur Raumentwicklung im Baselbiet:
» www.baselland.ch/grundlage-htm.291171.0.html