Bahnlärm im Kanton Basel-Stadt

Stand der Belastung
Im Frühjahr 2003 führte das Bundesamt für Verkehr (BAV) das Plangenehmigungsverfahren für die Lärmsanierung der Bahnen im Kanton Basel-Stadt durch. Gleichzeitig erfolgte auch die Planauflage für eine zweite Bahnbrücke – parallel zur bestehenden Eisenbahnbrücke – über den Rhein. Das Lärmsanierungsprojekt weist die Belastungssituation durch Bahnlärm im ganzen Kantonsgebiet aus. Für beide Projekte sind mittlerweile die Plangenehmigungen durch das BAV erteilt erteilt und die Sanierungsarbeiten wurden Anfangs 2010 aufgenommen.

Im Jahre 2000 (Ausgangszustand) waren im Kanton Basel-Stadt 2414 Personen mit Lärmimmissionen über dem Immissionsgrenzwert (IGW) belastet.Massgebend ist die Lärmbelastung in der Nacht (22:00 bis 06:00 Uhr). Zur Grenzwertüberschreitung tragen vor allem die lauten – mit Gussbremsklötzen – ausgerüsteten Güterzüge bei.
 
Die gebäudescharfe Lärmbelastung kann auch im Geoportal des Kantons Basel-Stadt im Bahnlärmkataster eingesehen werden. Dargestellt sind dort die Lärmbelastung in ausgewählten Stockwerken am Tag und in der Nacht, die Empfindlichkeitsstufe und die Nutzungszone. Die Belastungen sind angegeben für den Zustand nach erfolgter Lärmsanierung im Jahr 2015.

Grundsätze der Bahnlärmsanierung
Hauptlärmquelle bei der Bahn ist das Rollgeräusch. Die rauhe Oberfläche von Schiene und Rad, hervorgerufen durch die Bremsklötze aus Gusseisen, versetzen Rad und Schiene in Schwingungen. Das Problem kann bei Reisezügen und inländischen Güterzügen weitestgehend durch Scheibenbremsen oder Kunststoffbremsklötze entschärft werden. Zweidrittel der Güterwagen sind jedoch in ausländischem Besitz. Der Lärmsanierung durch verbessertes Rollmaterial sind demzufolge Grenzen gesetzt. Im Hafenareal erzeugt der Rangierlärm am Altrheinweg teilweise übermässige Immissionen.

 

Verbleibende Belastungen über den Immissionsgrenzwerten sollen durch Lärmschutzwände reduziert werden. Die notwendige Höhe der Wände lässt sich aber aus verschiedenen Gründen nicht überall realisieren. So hat der Bundesrat in der Verordnung über die Lärmsanierung der Eisenbahnen (VLE) die Wandhöhe grundsätzlich auf 2m über den Schienen, in Ausnahmefällen auf 4m Höhe begrenzt. In der VLE ist ausserdem festgelegt, dass die Wände und deren Wirkung in Abhängigkeit der Anzahl geschützter Personen einen bestimmten Kosten-Nutzen-Index (KNI) erreichen müssen. Zudem lässt sich auf Kunstbauten oft die notwendige Höhe aus statischen und konstruktiven Gründen nicht realisieren.

 


An Strecken mit viel Schienenverkehr, insbesondere dort, wo Güterzüge auch nachts in grosser Zahl verkehren (Huckepack-Korridor), sollen Lärmschutzwände gebaut werden, wo sie als verhältnismässig eingestuft werden.


Dort wo die Grenzwerte trotz verbessertem Rollmaterial und Lärmschutzwänden überschritten bleiben, bezahlt der Bund über die Finanzierung des öffentlichen Verkehrs (Finöv-Vorlage von Herbst 1998) bei Alarmwertüberschreitung 100% bei Immissionsgrenzwertüberschreitung 50% an die Kosten von Schallschutzfenstern.
 
Ein aussergewöhnliches Problem bei der Lärmsanierung im Kanton Basel-Stadt ist die Eisenbahnbrücke über den Rhein. Der Stahlhohlkasten der Brücke strahlt Lärm ab, was eine Sanierung durch Lärmschutzwände verhindert. Durch den Bau der neuen zweiten Rheinbrücke wird die Stahlbrücke jedoch in Zukunft besser gegen die Liegenschaften abgeschirmt.

 


Stahl-Eisenbahnbrücke von Grossbasler Seite mit Blick auf die vom abgestrahlten Lärm am meisten betroffenen Gebäude auf der Kleinbasler Seite


Die Probleme beim Tramlärm liegen beim Kurvenquietschen, bei der Lärmabstrahlung im Gebäude infolge von Erschütterungen und an den Endstationen bei den Lärmimmissionen durch die auf dem Tramdach angeordneten Klimaanlagen.

 

Sanierung des Rollmaterials
Die bereits begonnene Sanierung des Rollmaterials bringt am raschesten Resultate für viele Anwohnerinnen und Anwohner. Dabei werden die lauten Eisenbahnwagen mit einer neuen Bremstechnik ausgerüstet. Sie raut die Radlaufflächen beim Bremsen nicht mehr auf und verursacht somit deutlich geringeren Lärm beim Fahren. Neues Rollmaterial muss zudem strengen Lärmschutzanforderungen genügen. Die Sanierung der 1'200 Normalspur-Reisezugwagen ist abgeschlossen. Die Einhaltung der geforderten Sanierungswerte (maximale Lärmemissionen) wurde nachgewiesen.
 
Nach aktuellem Stand müssen SBB Cargo und Privateigentümer total rund 21'100 Fahrzeuge des Gütertransportbereiches sanieren. 85% oder 5492 der SBB-eigenen Güterwagen sind saniert. Wesentliche Fortschritte wurden in der technischen Vorarbeit zur Umrüstung der ausstehenden Wagentypen erzielt. Der Zieltermin 2009 konnte leider nicht eingehalten werden. Die Sanierung der privaten Güterwagen ist noch wenig weit vortgeschritten und dauert aus heutiger Sicht bis ins Jahr 2015.

Stand Rollmaterialsanierung 2010


Ordentliche Bahnlärmsanierungen im Kanton Basel-Stadt
Im Sommer 2009 wurde der Kanton Basel-Stadt vom Bundesamt für Verkehr aufgefordert die ordentlichen Lärmsanierung der Einsenbahn durchzuführen. Der Kanton handelt dabei im Auftrag des Bundes und hat keine Kompetenz den Sanierungsbedarf zu erheben. Massgeblich für die Sanierung ist die im Jahr 2003 durchgeführte Planauflage.

Bau der zweiten Rheinbrücke
Prognosen haben gezeigt, dass aufgrund der ehöhten Kapizitäten durch die zweite Rheinbrücke an einigen Liegenschaften die Lärmbelastung erheblich erhöht wird. Diese Liegenschaften haben einen Anspruch auf den Einbau von. Die Sanierungsarbeiten werden mit der ordentlichen Lärmsanierung koordiniert.

Sanierung der Stahl-Eisenbahnbrücke
Aufgrund der Einsprachen von Privaten und des Kantons wollen die SBB – entgegen dem Auflageprojekt und der Plangenehmigungsverfügung – nun doch auch die bestehende Stahl-Eisenbahnbrücke mit Unterschottermatten unter beiden Gleisen sanieren. Das Auflageprojekt prognostiziert die Gesamtwirkung aller Massnahmen auf eine Reduktion der Anzahl über dem Immissionsgrenzwert belasteter Personen von 2414 (100%) auf 735 (30%).

Hafenbahn
Entlang der Rangiergleise an Altrheinweg treten Immissionsgrenzwertüberschreitungen auf. Im Sommer 2010 erfolgte die Planauflage für die als Massnahme vorgesehenen Einbauten von Schallschutzfenstern. Sobals der Kanton Basel-Stadt vom Bund die entsprechende Aufforderunge erhält wird er, genau so bei der ordentlichen Bahnlärmsanierung, in der Ausführung tätig werden.



Reduktion der Anzahl belasteter Personen über dem IGW in Lärmbeurteilungsklassen von 5 dB im Vergleich zum Ausgangszustand


Anzahl Personen mit einer Lärmreduktion von mehr als 2 dB


Rangierbahnhof Hafenbahn, Basel

Lärmreduktionen beim Tram
Im Jahre 2010 wurde mit Hilfe von Lärmmessungen der Sanierungsbedarf des Trams im Kanton Basel-Stadt erhoben. Es zeigte sich, dass an einigen wenigen Strecken, so in der Rebgassse und an engen Kurven mit deutlichem Kurvenquietschen die Immissionsgrenzwerte in der Nacht überschritten werden. Zur Sanierung der Strecken und zu einer generellen Vermiinderung der Tramlärmemissionen sollen in den nächsten Jahren diverse Massnahmen ergriffen werden. Einerseits ist dies der Einbau von Geleisschmieranlagen an Kurven mit kleinen Radien als auch der Einbau von Radschalldämpfer an allen älteren Tramtypen. Mit der anstehenden Rollmaterialbeschaffung sollen zudem die ältesten Tramtypen durch Fahrzeuge ersetzt werden, die wie bereits der Typ Combino eine deutlich geringe Emsision aufweisen.

 

Den konsequenten Einbau von Masse-Federsystemen bzw. Unterschottermatten setzten die BVB weiter fort. Vorläufiger Höhepunkt der Bemühungen, die Erschütterungen und damit den abgestrahlten Körperschall in Gebäuden auf ein Minimum zu reduzieren, war der Bau eines schweren Masse-Federsystems am Steinenberg/Theaterstrasse. Die auf 750 Stahlfedern und 2 cm dicken Sylomermatten gelagerte Gleisanlage vermochte die Schallpegel um durchschnittlich 23 dB zu reduzieren, so dass im denkmalgeschützten Konzertsaal wieder hochwertige Tonaufnahmen und ein ungestörter Konzertgenuss möglich ist.



Querschnitt durch die Gleislagerung in Form eines schweren Masse-Federsystems

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Links:
Amt für Umwelt und Energie, Thema Bahnlärmkataster:
» www.geo.bs.ch/stadtplan_bahnlaermkataster_karte.cfm